16. November 2019: Wirtschaftswoche: Routerzwang: Netzbetreiber wollen das Geräte-Monopol zurück

Seit 2016 haben Internetnutzer das Recht, ihre Router für den Web-Zugang selbst zu wählen. Nun wollen Deutsche Telekom und andere Netzbetreiber die Routerfreiheit wieder kippen. Verbraucherschützer und Experten schlagen Alarm.

Eigentlich hatte der Bundestag den jahrelangen Streit zwischen Netzbetreibern und Verbraucherverbänden 2016 mit einem Machtwort beendet. Seit der Neuregelung des Telekommunikationsgesetztes (TKG) dürfen die Kunden selbst entscheiden, mit welcher Technik sie ins Internet gehen und ausdrücklich eigene Router an der Anschlussdose ihres DSL- oder Kabelzugangs einsetzen. Laut TKG endet die Hoheit der Netzbetreiber am sogenannten „passiven Netzabschlusspunkt“.

Nun aber, drei Jahre später, droht plötzlich die Rückkehr des Routerzwangs: Im Zug des Glasfaserausbaus wollen die deutschen Internetanbieter ihre Kunden wieder verpflichten, firmeneigene Router einzusetzen. Die Deutsche Telekom und die vier Anbieterverbände Anga, Buglas, Vatm und VKU monieren in einem gemeinsamen Positionspapier, die deutsche Routerfreiheit verstoße gegen EU-Regularien. Deshalb wollen sie die bisherige, verbraucherfreundliche Regelung im Zuge der Harmonisierung von EU-Vorschriften wieder kippen. Anlass ist die Novelle des europäischen Rechtsrahmens für Telekommunikation, die bis Ende 2020 in deutsches Recht übertragen werden muss.

Die Festlegung des TKG auf einen „passiven“ Anschlusspunkt – zu Deutsch, eine dumme Anschlussdose fürs DSL- oder Breitbandkabel – sei nicht nur rechtlich nicht haltbar, so die fünf Unterzeichner in ihrem Schreiben. Sie hemme zudem die Weiterentwicklung des Glasfaserausbaus. Internetanschlüsse für derart leistungsstarke Netze, so die Argumentation, benötigten einen aktiven Netzabschluss. Kurz, ein vom Netzbetreiber geliefertes und vorkonfiguriertes Endgerät. Wahlfreiheit vom Kunden, soll das wohl heißen, stört da nur.

Verzögerungen beim Glasfaserausbau

Ohne den Router vom Internetanbieter, so die recht unverhohlene Warnung im Positionspapier der Anbieter, drohten zusätzliche Verzögerungen beim ohnehin schon schleppenden Glasfaserausbau in der Bundesrepublik. „Ohne die Kontrolle über den (aktiven) Netzabschluss“, heißt es in dem Papier „wird der Ausbau insgesamt nachhaltig behindert.“ Die deutsche Regelung wirke als Hemmschuh für die technische und die Produktentwicklung – und die die Festlegung auf einen passiven Netzabschlusspunkt negativ auf den Glasfaserausbau aus.

Verbraucherverbände und Technologieexperten kritisieren diesen Vorstoß scharf. „Das ist das alte Bestreben der Internetanbieter, ein Monopol bei der Netztechnik zu Lasten der Kunden durchzusetzen“, sagt Oliver Müller. Der Referent für Telekommunikation bei der Verbraucherzentrale NRW spricht sich vehement für den Beibehalt der Routerfreiheit aus. Er verweist darauf, dass die Netzbetreiber im Fall des Routerzwangs ihre den Kunden gelieferten Geräte zum Teil erheblich in ihren Funktionen beschneiden könnten. „Wenn Netzbetreiber Zugriff auf Geräte ihrer Kunden haben oder möglicherweise einzelne Leistungen beeinflussen können, ist das auch eine Gefahr für die Netzneutralität.“

Mehr Funktionen nur für mehr Geld

Das ist nicht bloß Theorie: Vor dem Fall des Routerzwangs hatten manche Netzbetreiber technisch überholte Geräte noch zu deutlich höheren Preisen an ihre Kunden verkauft oder vermietet. Zum Teil berechneten sie Zusatzgebühren, um etwa das WLAN im Router freizuschalten. Oder sie blockierten die Möglichkeit, parallel zum regulären Telefonanschluss weitere, günstigere Anbieter zu nutzen. Und im Frühjahr hatte sich der inzwischen zu Vodafone gehörende Internetanbieter Unitymedia vor Gericht das Recht erstritten, auf den von ihm bereitgestellten Routern beim Kunden zusätzliche, öffentliche WLAN-Zugänge zu aktivieren.

Angesichts solcher Praktiken kommt Widerstand auch vom DVPT Anwenderverband Kommunikation aus Frankfurt. „Bei der Rückkehr zum Routerzwang drohen steigende Kosten, weniger Funktionsvielfalt und ein potenziell größeres Sicherheitsrisiko – wie wir das bereits erlebt haben“, so DVPT-Experte Stephan Schmidt. Tatsächlich waren etwa bei einer Hacker-Attacke im November 2016 mehr als eine Million Telekom-Router ausgefallen, weil deren Software fehlerhaft war. Erst nach mehreren Tagen war der Konzern in der Lage, die Schwachstelle mit Updates zu beheben. Kunden, die ihre eigenen Router am Telekom-Anschluss betrieben hatten, waren von dem Angriff nicht betroffen.

Doch auch jenseits solcher Probleme gebe es keinen vernünftigen Grund für eine Abkehr von der geltenden Rechtslage, sagt Schmidt und fordert, „an der Routerfreiheit nicht zu rütteln“. Und auch die europäische Dachorganisation der Telekom-Regulierungsbehörden Berec verweist in einem aktuellen Regelungsentwurf zur Definition des Netzabschlusses auf die EU-Vorgabe, dass „Endkunden das Recht haben, […] Anschlusstechnik ihrer Wahl an ihrem Internetzugang zu nutzen.“

Kein Beleg für Probleme im Netz

Nicht einmal das Argument Netzbetreiber sei stichhaltig, dass der Einsatz von kundeneigenen Routern die Stabilität der Breitbandnetze gefährdet sei, so Linus Neumann vom Chaos Computer Club CCC. Die Vereinigung kämpfte schon für die freie Endgerätewahl am Telefonanschluss, als der noch von der Deutschen Bundespost geliefert wurde und die Datenübertragung, statt über Glasfasern, noch über schnarrende und knarzende Akustikkoppler verlief.

„Schon damals hieß es, dass bei Technik, die nicht von der Post zugelassen ist, Störungen im Netz drohten“, sagt Neumann, „und schon damals ist nichts passiert, solange die fremden Geräte den technischen Standards entsprachen.“ Bis heute sei das nicht anders, so der Experte. Denn es sei ja gerade der Sinn der Normen, dass sie für ein reibungsloses Zusammenspiel unterschiedlicher Komponenten von unterschiedlichen Herstellern sorgten. „Und das ist bei Routern für DSL- oder Kabelanschlüsse nicht anders als bei solchen für Internetzugänge über Glasfasern.“

Bundestag und Bundesregierung seien – trotz der Drohung mit einem noch schleppenderen Glasfaserausbau – gut beraten, so CCC-Experte Neumann, nicht vor den Netzbetreibern einzuknicken und an der Routerfreiheit festzuhalten.

Kräftemessen mit der Politik

Und bisher sieht es auch tatsächlich so aus, dass die für die Novelle des TKG verantwortlichen Ministerien, das Bundeswirtschafts- (BMWi) und das Verkehrs- und Infrastrukturministerium (BMVI) in Berlin, der Forderung der Internetanbieter nicht folgen wollen. „Uns liegen keine Anhaltspunkte vor, die belegen, dass sich der Ausbau von gigabitfähigen Netzen verzögern würde, wenn die Routerfreiheit erhalten bliebe“, heißt es etwa auf Nachfrage der WirtschaftsWoche aus dem Wirtschaftsministerium.

Gegenwärtig arbeite man mit den Kollegen aus dem BMVI an einem gemeinsamen Entwurf für das Telekommunikationsgesetz, heißt es auf Anfrage aus dem Wirtschaftsministerium. Ziel der Bundesregierung sei, „dass der Inhalt der nationalen Regelung auch künftig Bestand haben wird“. Konkret: Auch nach der Neuregelung soll es bei der Routerfreiheit blieben.

Das Kräftemessen zwischen Netzanbietern und Politik dürfte trotzdem erst einmal weitergehen. Und der jüngste Vorstoß von Telekom und Verbänden nicht der letzte gewesen sein. Erst kurz vor Weihnachten 2020 müssen die neuen EU-Regeln in deutsches Recht umgesetzt sein.

URL: https://www.wiwo.de/technologie/digitale-welt/routerzwang-netzbetreiber-wollen-das-geraete-monopol-zurueck/25229906-all.html

14. November 2019: golem: Europäische Regulierer offen für neuen Routerzwang

Noch bis zum 21. November läuft die Beratung über die Endgerätefreiheit in Europa. Doch die Europäischen Regulierungsstellen sind auch offen für die Interessen der Netzbetreiber, und die sind für Routerzwang.

Der Verbund der Telekommunikations-Endgerätehersteller (VTKE) warnt davor, dass die europäischen Regulierungsstellen die Abschaffung der Routerfreiheit ermöglichen wollen. Das gab der VTKE bekannt. Das Gremium für elektronische Kommunikation (GEREK, englisch BEREC) hatte unlängst einen ersten Vorschlag für Leitlinien (PDF) zur Festlegung des Netzabschlusspunktes veröffentlicht, zu dem bis zum 21. November Stellung genommen werden kann.

“In einem Entwurf der Leitlinien skizzieren die Regulierer drei unterschiedliche Ansätze. Entweder ist der Netzabschlusspunkt die Dose an der Wand. Bei der Variante B endet das Netz beim Modem. Variante C umfasst neben dem Modem auch den Router, der das interne Heimnetzwerk aufspannt”, erklärte der VTKE.

Die Netzbetreiber wünschen sich Variante B oder C, denn dann müssten die Geräte wieder vom Betreiber gestellt werden. Die Branche zeigt sich geschlossen: In einem gemeinsamen Positionspapier, das kleine und große Netzbetreiber unterzeichnet haben, wird behauptet, die bestehende deutsche Regelung zum Netzabschlusspunkt sei europarechtswidrig, weil nicht der Gesetzgeber, sondern Regulierungsbehörden zuständig seien.

Im jetzigen Entwurf erlaubt BEREC den Providern, aus beliebigen technischen Gründen ein providerseitiges Modem als Netzabschlusspunkt zu verlangen. Dies hätte die Konsequenz, dass eine Kombination etwa aus Modem und Router nicht mehr zulässig wäre. Die Netzbetreiber arbeiten schon jetzt an Kombi-Produkten, die dann um einen Ausgang zu einem Fremdrouter ergänzt werden. So würde durch die Hintertür der Routerzwang wieder eingeführt.

URL: https://www.golem.de/news/gerek-europaeische-regulierer-offen-fuer-neuen-routerzwang-1911-144994.html

13. November 2019: Netzpolitik: Modemzwang: Warum die Debatte um die Routerfreiheit wieder hochkocht

Eigentlich ist seit Jahren alles klar: Nutzer können selbst auswählen, mit welchem Modem oder Router sie ins Internet gehen. Netzbetreiber betonen, die Routerfreiheit seither umzusetzen – und wollen sie trotzdem wieder abschaffen. Die Gerätehersteller schütteln erstaunt den Kopf.

Auf der einen Seite trommeln die Netzbetreiber, auf der anderen zeigen sich Router- und Modemhersteller „besorgt und alarmiert“. Die Telekom-Lobby möchte den Routerzwang – oder genauer: Modemzwang – zurück.

Irgendwo dazwischen stehen normale Nutzer, die einfach nur einen funktionierenden Internetanschluss haben wollen. Und oft auch einen eigenen Router, weil die von den Netzbetreibern zur Verfügung gestellten Kombi-Geräte absichtlich beschnitten sind. Bessere Router gibt es in der Regel nur zum Aufpreis, selbst für das Freischalten einer simplen WLAN-Option verlangen manche Betreiber eine monatliche Gebühr.

Mittlerweile können Netzbetreiber nicht mehr einfach schalten und walten, wie sie wollen – schließlich hat die vergangene Regierung nach Jahren der Debatte die freie Wahl der Endgeräte festgeschrieben.

Bundesregierung hält noch an Modemfreiheit fest

Das Verkehrs- sowie Wirtschaftsministerium sind offenbar zufrieden mit der deutschen Regelung. In einem Eckpunktepapier, das die derzeit erarbeitete und für Ende des Jahres geplante Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) umreißt, heißt es: „Die in Deutschland im Jahr 2016 eingeführte freie Routerwahl konnte von allen Marktteilnehmern umgesetzt werden“ Die nationalen Vorgaben seien im Markt akzeptiert.

Das klingt nicht unbedingt danach, dass eine Wiedereinführung des Routerzwangs unmittelbar bevorsteht. Ein kleines Schlupfloch bleibt jedoch: Die TKG-Novelle war notwendig geworden, da die Regierung ein umfangreiches EU-Gesetz in nationales Recht überführen muss.

Gleich vier Richtlinien wurden in den vergangenen Jahren zu einer einzigen zusammengefasst, dem sogenannten Kodex (European Electronic Communications Code, EECC). Damit sollten nicht nur die gesetzlichen Rahmenbedingungen verschlankt und auf neue Gegebenheiten wie den notwendigen Glasfaserausbau reagiert werden. Erklärtes Ziel war es zudem, Marktteilnehmern überall in der EU weitgehend gleiche Voraussetzungen bieten zu können.

Diesen Moment wollen die Netzbetreiber nutzen, um die Modemfreiheit zu kippen.

Einer der im Kodex nur grob geregelten Punkte ist der sogenannte „Netzabschlusspunkt“, also die Stelle, an der das Netz des Betreibers endet und das des Kunden beginnt. Europaweit gibt es unterschiedliche Auffassungen über die genaue Definition. Deshalb sollen die Details, ähnlich wie bei der Netzneutralität, die Telekom-Aufseher im Gremium Europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation (BEREC) klären. Eine öffentliche Konsultation zu den geplanten Leitlinien läuft derzeit noch.

Wo fängt das Netz des Kunden an?

In einem Entwurf der Leitlinien skizzieren die Regulierer drei unterschiedliche Ansätze. Entweder ist der Netzabschlusspunkt die Dose an der Wand. So ist es seit 2016 hierzulande geregelt, das Netz des jeweiligen Betreibers „endet am passiven Netzabschlusspunkt“, heißt es im TKG. Dahinter können Kunden beliebige eigene Geräte aufstellen, solange sie sich an den jeweiligen Standard halten.

Bei der Variante B endet das Netz beim Modem. Variante C umfasst neben dem Modem auch den Router, der das interne Heimnetzwerk aufspannt. Freilich verschwimmt zunehmend der Unterschied zwischen den letzten beiden Varianten. Kombi-Geräte, die sowohl Modem als auch Router bereitstellen, sind erfolgreicher auf dem Markt, weil sie komfortabler einzurichten sind sowie weniger Platz und Strom benötigen.

Die Netzbetreiber wünschen sich Variante B, oder lieber noch C. Denn dann müssten diese Geräte notwendigerweise vom Betreiber gestellt werden. Die Branche zeigt sich geschlossen. In einem gemeinsamen Positionspapier, dem sich kleine wie große Netzbetreiber angeschlossen haben, argumentieren sie jedoch in erster Linie auf einer juristischen Ebene. Die bestehende deutsche Regelung zum Netzabschlusspunkt sei europarechtswidrig. Schon allein, weil aus Sicht der Industrie nicht der Gesetzgeber – also der Bundestag – sondern Regulierungsbehörden zuständig seien.

Ohne Modemzwang kein Breitbandausbau

Inhaltlich pochen sie darauf, Kontrolle über den „aktiven Netzabschluss“ wiederzuerlangen, also das Modem, welches die Signale wandelt. Dies sei besonders wichtig in geteilten Zugangsnetzen („Shared Medium“) wie Kabel- oder Glasfasernetzen. „Mangelnde Interoperabilität der Geräte, dadurch bedingte gegenseitige Störungen, veraltete Firmware-Stände und Sicherheitslücken führen dort nicht nur zu einem Verlust an Dienstequalität für die Kunden, sondern machen eine geregelte Vorleistung unmöglich“, schreiben die Industrievertreter. Oftmals seien Lösungen erforderlich, die die „Einhaltung besonderer technischer Rahmenbedingungen einschließlich eines aktiven Netzabschlusspunktes voraussetzen“.

Die Drohung kommt zum Schluss: Ohne Kontrolle über das Modem könne man keine qualitativ hochwertigen Dienste in Glasfasernetzen anbieten, was insbesondere „die Vermarktung von Netzzugängen an Wettbewerber als Refinanzierungsmöglichkeit für neue Glasfasernetze erheblich“ beeinträchtigen würde. Schafft also Deutschland beziehungsweise die EU den Modemzwang nicht ab, werde damit „der Ausbau insgesamt nachhaltig behindert“.

Freilich existieren die geforderten technischen Rahmenbedingungen bereits, etwa der DOCSIS-Standard in Kabel– oder der GPON-Standard in Glasfasernetzen, und sind auch hierzulande längst in Betrieb. Wo also liegt das Problem?

Vodafones Kunden verwenden 50 unterschiedliche Gerätetypen

Auf Anfrage betont ein Vodafone-Sprecher, dass „Vodafone und das Vodafone-Unternehmen Unitymedia die Routerfreiheit vollständig umsetzen“. Kunden-eigene Modems würden im Vodafone-Kabelnetz aktuell bereits an mehr als 3,5 Prozent der Kabel-Internetanschlüsse betrieben. „Dabei verwenden die Kunden rund 50 unterschiedliche Gerätetypen mit über 100 unterschiedlichen Firmware-Versionen“, sagt der Sprecher.

Dies könne allerdings zu Problemen führen, etwa beim Anschluss ungeeigneter Kabel oder inkompatibler, beziehungsweise veralteter (Billig-)Modems. Sollte das gesamte Netzsegmente beeinträchtigen, könne Vodafone zur Verfügung gestellte Modems tauschen. Bei kundeneigenen Geräten ist das nicht möglich.

Zudem könnten ernsthafte Sicherheitsprobleme entstehen, wenn Nutzer keine Firmware-Updates einspielen. Laut dem Vodafone-Sprecher musste das Unternehmen schon mehrere hundert Male Modems vom Netz trennen, da „sich Kunden trotz intensivster Ansprache weigerten, die Software ihrer Netzabschlussgeräte auf einen sicheren Stand zu bringen“ Rund drei Viertel aller aktiven kundeneigenen Geräte liefen mit „veralteten oder unbekannten Firmwareständen“. Reine Router hingegen, die hinter dem Modem stehen, seien aus Netzsicht kein Problem.

Bei den Geräteherstellern lösen diese Argumente erstauntes Kopfschütteln aus. „Die von den Providern und großen Providerverbänden genannten Gründe für dieses Verlangen sind nicht neu“, sagt ein Sprecher des Verbunds der Telekommunikations-Endgerätehersteller (VTKE). „Sie waren vollumfänglich bereits Bestandteil der Gesetzesnovellierung im Jahr 2015, die in Deutschland zur Aufhebung des Routerzwanges unter 100 Prozent Zustimmung aller Parteien im Bundestag geführt hatte.“

Dass die angebrachten technischen Gründe keine Substanz hätten, zeige sich schon daran, dass etwa in den USA alle DSL -und Kabel-Endgeräte frei im Handel verfügbar seien. Auch in China könnten alle Glasfaser-Endgeräte einfach im Shop ausgesucht und gekauft werden, sagt der VTKE-Sprecher. „Und auch in den Mobilfunknetzen sind wir alle gewohnt, uns ein für uns passendes Smartphone zu kaufen und sind – zum Glück – nicht auf Geräte ausschließlich von Providern angewiesen“.

URL: https://netzpolitik.org/2019/warum-die-debatte-um-die-routerfreiheit-wieder-hochkocht/

11. November 2019: golem: Hersteller wollen Ende der Routerfreiheit verhindern

Die großen Verbände wollen die gesetzlich garantierte Routerfreiheit in Deutschland zu Fall bringen. Auch die Telekom ist hier führend beteiligt.

Der Verbund der Telekommunikations-Endgerätehersteller (VTKE) hat sich “besorgt und alarmiert” geäußert, dass Netzbetreiber und große Verbände den passiven Netzabschluss aufheben wollen. “Sie möchten zumindest das sogenannte Modem und gern weitergehend auch das Modem samt Router in einem Gerät zum Bestandteil ihrer Netze machen und damit den Netzabschluss ein deutliches Stück weiter in das Heimnetz des Verbrauchers verlagern”, erklärte der VTKE Golem.de auf Anfrage.

Anlass ist, dass das EECC (Novelle des europäischen Rechtsrahmens für Telekommunikation) mit der TKG-Novelle in deutsches Recht übertragen wird. Dabei wollen die Verbände den deutschen Gesetzgeber bewegen, die freie Endgeräte-Wahl der Verbraucher in Deutschland außer Kraft zu setzen. Zudem drohen sie damit, ihre Netze nicht auszubauen, falls sie nicht die aus ihrer Sicht “geeigneten” Rahmenbedingungen erhalten. Darüber hinaus drohen sie Deutschland recht deutlich mit einem Vertragsverletzungsverfahren vor dem Europäischen Gerichtshof.

Der VTKE weist darauf hin, dass gesetzlich geregelt ist, dass das Netz des Providers an der passiven Dose an der Wand endet. Der Verbraucher kann frei entscheiden, welches Gerät er daran einsetzt – ein Gerät vom Provider oder ein Gerät aus dem Handel.

Die von den Netzbetreibern und großen Verbänden nun genannten Gründe waren bereits Bestandteil der Gesetzesnovellierung im Jahr 2015, die in Deutschland zur Aufhebung des Routerzwangs unter Zustimmung aller Parteien im Bundestag geführt hatte. Am 1. August 2016 wurde in Deutschland der Routerzwang per Gesetz abgeschafft, der zuvor durch die Geheimhaltung der detaillierten Zugangsdaten erreicht wurde. Beispielsweise in den USA sind alle DSL- und Kabel-Endgeräte frei im Handel verfügbar. In China können alle Glasfaser-Endgeräte in Geschäften ausgewählt werden.

Der VTKE weist darauf hin, dass gerade für “das Zukunftsnetz Glasfaser die Wahlfreiheit bei Endgeräten – so wie bei DSL, Kabel und Mobilfunk – gegeben sein muss”.

Buglas (Bundesverband Glasfaseranschluss), VATM (Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten), Anga – Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber, VKU (Verband kommunaler Unternehmen) und die Deutsche Telekom behaupten in einem gemeinsamen Positionspapier vom 12. September 2019 (PDF), in Deutschland sei mit Paragraf 45d, Absatz 1, Seite 2 Telekommunikationsgesetz, eine gesetzliche Festlegung des Netzabschlusspunktes erfolgt, die nicht in Einklang mit den europäischen Vorgaben des EECC (Regulation (EU) 2018/1972) stehe.

URL: https://www.golem.de/news/vtke-hersteller-wollen-ende-der-routerfreiheit-verhindern-1911-144907.html

9. November 2019: heise: Provider gegen Kunden: Wiederbelebung des Routerzwangs droht

Seit 2016 legt das Telekommunikationsgesetz fest, dass Kunden ihren Router selbst wählen dürfen. Nun gehen mehrere Verbände und die Telekom massiv dagegen vor.

Mit ANGA, BUGLAS, VATM und dem VKU stellen sich gleich mehrere Provider-Verbände zusammen mit der Deutschen Telekom gegen das Telekommunikationsgesetz (TKG), das für Internet-Nutzer die freie Wahl des Internet-Routers festschreibt. Das TKG legt seit 2016 unter anderem fest, dass das Netz eines Providers an der Anschlussdose endet und der Kunde an dieser Anschlussdose ein Gerät (Router) seiner Wahl anschließen kann.

Doch inzwischen behaupten die vier Verbände und die Telekom in einem gemeinsamen Positionspapier, dass ein wesentlicher Teil des Telekommunikationsgesetzes “nicht europarechtskonform” sei, sondern gegen europäische Vorgaben des EECC (Regulation (EU) 2018/1972) verstoße. Damit meinen sie den § 45d Abs. 1 S. 2 TKG, in dem eine “gesetzliche Festlegung des Netzabschlusspunktes” erfolge. Letztlich fordern sie für sich das Recht, ihren Kunden vorschreiben zu dürfen, welchen Router sie an seinem Anschluss verwenden. Sie möchten den “vollständig liberalisierten Endgerätemarkt” abschaffen, wie ihn die Bundesregierung 2016 bekräftigt hat, und den Routerzwang wiederbeleben.

Freie Routerwahl hemmt angeblich Weiterentwicklung

Ob das gelingt, ist offen. Als Angriffspunkt haben die Gegner des TKG vor allem den § 45d herausgepickt, wonach der Zugang zum Netz “ein passiver Netzabschlusspunkt” ist, oder wie es im TKG wörtlich steht: “Das öffentliche Telekommunikationsnetz endet am passiven Netzabschlusspunkt”. Die Verbände und die Telekom kritisieren diesen Gesetzesabschnitt vor dem Hintergrund des Glasfaserausbaus: “Durch die topologieübergreifende Festlegung auf einen passiven Netzabschlusspunkt in den Räumen des Endkunden (‘Dose in der Wand’) wird die Weiterentwicklung von Gigabit-Netzen und insbesondere der Ausbau von Glasfasernetzen gehemmt.” Mit anderen Worten: Die Routerfreiheit ist schön und gut, aber bitte nicht für Glasfaseranschlüsse.

Zur Begründung steht im Papier, dass “die Point-to-Multipoint-Topologie (PtMP)” der Gigabitnetze nicht ohne einen “aktiven Netzabschluss” betrieben werden könne und dass “optische Signale via Glasfaser am Ende stets der aktiven Signalumsetzung” bedürfen, “damit sie beim Kunden wieder in die jeweiligen Einzeldienste ‘entflochten’ werden”. Es fällt schwer, dieser Auffassung zu folgen, denn die “aktive Signalumsetzung” ist nicht Glasfaser-spezifisch. Vielmehr ist sie allen kabelgebundenen Internet-Anschlüssen gemeinsam: An jeder passiven Anschlussdose steckt ein aktives Gerät, nämlich ein Router mit integriertem Modem. Das ist bei DSL-, bei Kabel- und bei Glasfaseranschlüssen grundsätzlich der Fall.

Probleme mit kundeneigenen Geräten

Im Weiteren beklagen die Unterzeichner des Positionspapiers, dass “insbesondere dort, wo mehrere TK-Anbieter ihre Dienste über ein geteiltes Zugangsnetz anbieten”, Probleme mit kundeneigenen Netzabschlussgeräten auftreten (ONT, Kabelmodems). Sie unterstellen, dass die Interoperabilität der Geräte mangelhaft sei, sodass Störungen auftreten und “veraltete Firmware-Stände und Sicherheitslücken” zum “Verlust an Dienstequalität für die Kunden führen und eine geregelte Vorleistung unmöglich” werde. Konkrete Beispiele enthält das Papier jedoch nicht, sodass unklar ist, was genau die Probleme sind, und warum die Autoren glauben, dass sie nicht zu beseitigen sind. Im DSL-, Kabel- und auch im Mobilfunkbereich klappt die Umsetzung der jeweiligen Spezifikationen jedenfalls weltweit und Berichte über massenhaft mangelhafte Glasfaser-Router oder -Modems fehlen bisher.

Klar ist indes, dass manchen Providern die freie Routerwahl ein Dorn im Auge ist, weil sie Einnahmen mindert. In der Vergangenheit haben manche Provider, die vor dem aktuellen TKG über die Routerwahl selbst bestimmt hatten, billige oder technisch überholte Geräte zu erhöhten Preisen abgegeben, Gebühren auf die Freischaltung der WLAN-Funktion erhoben (z. B. 5 Euro monatlich) oder mit funktionsbeschnittenen Routern verhindert, dass Kunden fremde Telefonie-Anbieter (VoIP) mit günstigeren Konditionen nutzen. Mit einem frei aus dem Handel bezogenen Router lässt sich das nicht machen, darüber verfügt der Kunde allein. Manche Provider wünschen sich auch weniger unterschiedliche Router an ihren Anschlüssen, weil das ihre Support-Kosten senkt.

Was im Stammbuch steht

Für die seit August 2016 geltende, im Telekommunikationsgesetz festgeschriebene freie Routerwahl hatten viele Routerhersteller in Deutschland und Vertreter von Internet-Nutzern gemeinsam beharrlich und erfolgreich gegen die Provider-Verbände und ihre Lobby gestritten. Nun fordern die Verbände ANGA, BUGLAS, VATM und VKU sowie die Deutsche Telekom die Bundesnetzagentur den Gesetzgeber auf, den “§ 45d Abs. 1 S. 2 TKG zu streichen”. Noch ist offen, ob und wie die Bundesnetzagentur Regierung und zuständige Ministerien auf diese Forderung reagieren.

Doch die Bundesregierung hat den Providern bereits 2015 in der Begründung des Gesetzentwurfs klar ins Stammbuch geschrieben, warum sie den Routerzwang abschaffen wollte. Dort heißt es auf Seite 7 unmissverständlich, dass der Routerzwang unvereinbar ist “mit dem vollständig liberalisierten Endgerätemarkt”, da er den Endkunden “die Wahlfreiheit in Bezug auf die verwendeten Telekommunikationsendeinrichtungen entzieht”. Es wird spannend zu sehen sein, ob die Bundesregierung und die ihr unterstellte Bundesnetzagentur “mangelhafte Interoperabilität”, “veraltete Firmware-Stände” und “Sicherheitslücken” höher gewichten als einen liberalisierten Endgerätemarkt.

Den vollständigen Wortlaut des TKG finden Sie hier.

[Update]: 09.11.2019, 12:55, Bezug zu Bundesnetzagentur korrigiert (dz)

URL: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Provider-gegen-Kunden-Wiederbelebung-des-Routerzwangs-droht-4583031.html

24. Oktober 2019: Erfolgsstory: Endgerätefreiheit fördert Innovationen und Souveränität der Verbraucher

Im Sinne der Endnutzer sowie eines lebendigen Wettbewerbs im Markt für Telekommunikationsendgeräte führt die Endgerätefreiheit zu Innovation und Produktvielfalt. Vor allem auch im Hinblick auf die gigabitfähigen Netze der Zukunft ist die freie Endgerätewahl ein Innovationstreiber.

Von der Endgerätefreiheit profitieren deshalb vor allem die Endnutzer, die unter einer Vielzahl an innovativen, leistungsfähigen Endgeräten das Produkt wählen und an ihrem Anschluss verwenden können, das ihrem Bedarf nach Leistung, Qualität und Sicherheit am besten entspricht.

Der VTKE ist überzeugt, dass die freie Endgerätewahl eine Erfolgsstory ist. Daher bedarf es nach Ansicht des Verbunds einer konsequenten Umsetzung bzw. Wiederherstellung der Endgerätefreiheit für alle Zugangstechnologien.

24.10.2019: Erfolgsstory Endgerätefreiheit

28. August 2019: golem: Bundesnetzagentur: Keine Ausnahme von der Routerfreiheit für Vodafone

Vodafone streitet sich mit der Bundesnetzagentur, ob die Routerfreiheit in Glasfasernetzen auch für das Glasfasermodem (ONT) gilt. Doch die Behörde stellt klar: Die Gesetzeslage ist eindeutig. Allerdings fehlen Produkte.

Für Vodafone gibt es keine Ausnahme von der Routerfreiheit in FTTH-Netzen. Ein Sprecher des Bundesnetzagentur sagte Golem.de auf Anfrage, der Wortlaut des Paragrafen 45d Absatz 1 im Telekommunikationsgesetz sei eindeutig. “Danach ist auch in Glasfasernetzen der Anschluss am passiven Netzabschlusspunkt bereitzustellen und der Endkunde hat die freie Wahl von Modem und Router.”

Golem.de hatte berichtet, dass Vodafone die Routerfreiheit für das Glasfasermodem (ONT) aktiv bekämpft und den Kunden ihr eigenes Gerät vorschreibt.

Telekom hat Daten vorgelegt

Die Bundesnetzagentur habe diese Auffassung zur Routerfreiheit in der zuständigen “ATRT-Projektgruppe auch wiederholt zum Ausdruck gebracht und befindet sich aktuell hierzu in einem andauernden Austausch unter anderem mit Vodafone. Dass gegen die Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen nicht der Einwand der technischen Unmöglichkeit erhoben werden kann, zeigt sich auch daran, dass die Deutsche Telekom Schnittstellenbeschreibungen für entsprechende Endgeräte veröffentlicht hat(PDF).”

Die Umsetzung der Endgerätewahlfreiheit hänge auch nicht vom Abschluss der Arbeit der ATRT-Projektgruppe zu den Anforderungen an Schnittstellenbeschreibungen ab.

Aus der Rechtslage folge allerdings nicht zwingend, dass entsprechende Geräte auch tatsächlich am Markt angeboten würden, in diesem Fall Glasfasermodems von Drittanbietern, die den Betrieb an einem GPON/Point-to-Multipoint-Netz gestatten, und damit die Endgerätewahlfreiheit auch praktisch verwirklicht werden kann.

Aus der Rechtslage folge allerdings nicht zwingend, dass entsprechende Geräte auch tatsächlich am Markt angeboten würden, in diesem Fall Glasfasermodems von Drittanbietern, die den Betrieb an einem GPON/Point-to-Multipoint-Netz gestatten, und damit die Endgerätewahlfreiheit auch praktisch verwirklicht werden kann.

URL: https://www.golem.de/news/bundesnetzagentur-keine-ausnahme-von-der-routerfreiheit-fuer-vodafone-1908-143507.html

27. August 2019: Netzbetreiber müssen sich an geltende gesetzliche Vorgaben zur freien Endgerätewahl halten

In den Medien wird aktuell darüber berichtet, dass einzelne Netzbetreiber sich bei Glasfaseranschlüssen nicht an die gesetzlichen Vorgaben zur freien Endgerätewahl halten. Begründet wird dies mit einer laufenden Projektgruppe des Ausschusses technische Regulierung in der Telekommunikation (ATRT) der Bundesnetzagentur, die jedoch kein Mandat besitzen kann, gesetzlich geltende Vorgaben auszusetzen.

Vor diesem Hintergrund stellt der Verbund der Telekommunikations-Endgerätehersteller (VTKE) richtig:

Grundsätzlich dürfen Netzbetreiber laut Telekommunikationsgesetz den Anschluss von Endgeräten nicht verweigern, wenn diese die Anforderungen erfüllen. Sie können ihren Kunden Endgeräte überlassen, dürfen aber deren Anschluss und Nutzung nicht zwingend vorschreiben. Dies ist geltendes Recht und gilt für alle Zugangstechnologien – ob DSL, Kabel, Glasfaser oder LTE. Daraus folgt, dass alle Netzbetreiber ihren Kunden gestatten müssen, eigene Endgeräte zu verwenden. Mit dem Inkrafttreten des TK-Endgerätegesetzes wurde die Wahlfreiheit der Endnutzer rechtlich bestätigt. Sie können seitdem aus der Vielzahl innovativer Endgeräte dasjenige wählen, das ihren Wünschen und ihrem Bedarf am besten entspricht.

Das Gesetz zur Auswahl und zum Anschluss von Telekommunikationsendgeräten, das bereits seit 2016 gilt, definiert den Netzabschlusspunkt darüber hinaus klar und deutlich als „passiv“. Auch diese gesetzliche Vorgabe gilt gegenwärtig für DSL, Kabel, Glasfaser und LTE. Kein Marktakteur ist berechtigt, eigenmächtig den Netzabschlusspunkt – auch nicht zeitlich begrenzt – nach seinem Bedarf bzw. nach seinen Vorstellungen umzudefinieren.

Der VTKE ist verwundert, dass sich einzelne große Netzbetreiber nun teilweise nicht mehr an die geltenden gesetzlichen Vorgaben halten. Irritierend ist dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Regulierung seit ihrem Inkrafttreten vor rund drei Jahren bislang von allen Marktteilnehmern umgesetzt und insbesondere von den Nutzern sehr positiv aufgenommen wurde.

Begründet wird das Aussetzen der freien Endgerätewahl für Glasfaseranschlüsse mit der noch laufenden Arbeit der ATRT-Projektgruppe, die sich laut Netzbetreibern mit der Definition des Netzabschlusspunktes beschäftige. Dies ist jedoch klar nicht der Fall. Vielmehr soll der ATRT den Markt bei Pflicht zur Veröffentlichung der Beschreibung der Netzzugangsschnittstellen unterstützen. Dazu hat er eine Projektgruppe eingesetzt, in der Netzbetreiber, Endgerätehersteller und Anwender Empfehlungen zur „Umsetzung der Veröffentlichungspflichten […] für Schnittstellenbeschreibungen Betreiber öffentlicher Telekommunikationsnetze zum Anschluss von TK-Endgeräten“ erarbeiten. Ziel dieser Projektgruppe ist ein Praxisleitfaden, aus dem sich ergeben soll, welche Inhalte die Schnittstellenbeschreibungen aufweisen sollten. Zugrunde liegt der Arbeit der Projektgruppe dabei auch die für alle Zugangstechnologien vom Gesetzgeber festgelegte Definition des Netzabschlusspunktes als „passiv“, die – anders als an anderer Stelle impliziert – in keiner Weise zur Debatte steht. Insofern ist auch ein zeitlich begrenzter Zwang für aktive Endgeräte ungerechtfertigt und vor allem nicht technisch notwendig.

Darüber hinaus bleibt die grundsätzliche Verpflichtung der Netzbetreiber, genaue und angemessene Schnittstellenbeschreibungen bereitzustellen bzw. zu veröffentlichen von der Arbeit der Projektgruppe unberührt, sodass die Netzbetreiber nach wie ihre Schnittstellenspezifikationen veröffentlichen müssen. Andernfalls wird die vom Gesetzgeber beabsichtigte Wahlfreiheit der Endnutzer unterlaufen und technologische Innovationen im Bereich der Telekommunikationsendgeräte verhindert.

Der VTKE hält die Arbeit der Projektgruppe nach wie vor für sehr wichtig und teilt die Absicht des ATRT, die Veröffentlichungspraxis der Schnittstellenbeschreibungen zu optimieren. Auf Basis dieser Schnittstellenbeschreibungen sind die Endgerätehersteller in der Lage, im Wettbewerb um das beste Endgerät unter gleichen Voraussetzungen innovative Produkte zu entwickeln, von denen letztlich die Nutzer profitieren.

Somit hält der VTKE es für unerlässlich und eigentlich selbstverständlich, dass sich alle Marktakteure – so auch große Netzbetreiber – an die geltenden Gesetze und Vorgaben halten, damit den Nutzern auch weiterhin eine freie Endgerätewahl für alle Zugangstechnologien möglich ist.

Das Gesetz zur Auswahl und zum Anschluss von Telekommunikationsendgeräten, das einstimmig vom Bundestag beschlossen und von der EU-Kommission als konform zum geltenden europäischen Recht bestätigt wurde, gilt auch heute für alle Marktteilnehmer.

24. Juli 2019: Umfrage: 80 Prozent der Anwender lehnen Routerzwang ab - Verbrauchern ist Unabhängigkeit wichtig (Presseinformation)

Der Verbund der Telekommunikations-Endgerätehersteller (VTKE) blickt sehr positiv auf drei Jahre Endgerätefreiheit zurück. Vielen Anwendern ist die Wahlfreiheit am Anschluss besonders wichtig und sie entscheiden sich deswegen für den Kauf eines Geräts im Handel. Die freie Endgerätewahl erweist sich somit als Erfolgsmodell.

80 Prozent ist Wahlfreiheit besonders wichtig 

Wie wichtig die Endgerätefreiheit für Anwender ist, unterstreicht eine aktuelle Studie*: Rund 80 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen die Möglichkeit, ein eigenes Endgerät zu nutzen, wichtig ist. Denn damit können sie sich für ein Produkt entscheiden, das ihrem tatsächlichen Bedarf nach Leistung, Funktionalität und Sicherheit am besten entspricht.

Die Verbraucher machen auch rege Gebrauch von ihrem Recht. Viele Anwender entscheiden sich für den Kauf eines Geräts im Handel. So wurden in den vergangenen Jahren millionenfach frei am Markt – d.h. nicht providerseitig zur Verfügung gestellte – Endgeräte erworben.

Freie Endgerätewahl führt zu mehr Vielfalt im Markt

Am 1. August 2016 wurde in Deutschland der “Routerzwang” per Gesetz abgeschafft. Seitdem haben die privaten und gewerblichen Endnutzer in Deutschland für alle Zugangstechnologien (DSL, Kabel, Glasfaser und LTE) wieder die freie Wahl, ob sie ein Endgerät ihrer Wahl im Handel erwerben oder es vom Provider beziehen.

Der wiederhergestellte Wettbewerb um das beste Endgerät – wie zum Beispiel Router, Telefone, Telefonanlagen, Alarmierungssysteme usw. -hat zu einer größeren Vielfalt an innovativen, leistungsfähigen Produkten im Markt geführt. Davon profitieren vor allem die Anwender, die nun die Möglichkeit haben, ein Produkt zu kaufen, das am besten ihren Anforderungen entspricht.

*Quelle: VTKE-Umfrage durchgeführt vom Marktforschungsinstitut Kantar in der Zeit vom 27.Juni bis 1. Juli 2019 / 1.051 befragte Erwachsene im Alter von 18 bis 69 Jahren in Deutschland

24. Juli 2019: Umfrage: 80 Prozent der Anwender lehnen Routerzwang ab – Verbrauchern ist Unabhängigkeit wichtig (PDF-Dokument)

6. Juni 2019: VTKE beim BEREC Workshop zur Netzneutralität: 'Dose an der Wand' ist Netzabschlusspunkt

Das Gremium Europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation (GEREK, englisch: BEREC) hat im Rahmen der Überarbeitung der Leitlinien zur Netzneutralität am 29. Mai 2019 in Brüssel einen Workshop abgehalten.

Der Verbund der Telekommunikations-Endgerätehersteller (VTKE) hat sich vor Ort mit einer Präsentation beteiligt und dabei auf die Regelung in Artikel 3 (1) der Verordnung 2015/2120 hingewiesen, dass Endnutzer das Recht haben, „Endgeräte ihrer Wahl zu nutzen“.

Trotz dieser klaren gesetzlichen Verpflichtung und dem in den Leitlinien definierten Auftrag an die nationalen Regulierungsbehörden, missbräuchlichen Verhaltensweisen nachzugehen, beeinträchtigen in manchen europäischen Ländern Netzbetreiber die Endgerätewahlfreiheit ihrer Kunden.

Die künftigen BEREC-Leitlinien sollten eine einheitliche Umsetzung des Rechts der Endnutzer auf freie Endgerätewahl gewährleisten. Der VTKE weist darauf hin, dass auch für künftige Netzwerktopologien und -technologien, im Besonderen auch bei den kommenden Hochgeschwindigkeitsnetzen, Telekommunikationsendgeräte sich durch den direkten Anschluss an das physikalische Übertragungsmedium des Teilnehmeranschlusses auszeichnen. Die elektrisch/optisch passive Anschlussdose an den Teilnehmeranschluss (Telefonleitung, Koaxialkabel oder Glasfaser) erfüllt alle rechtlichen Anforderungen an einen Netzabschlusspunkt und nur diese passive Anschlussdose realisiert die geforderte Endgerätewahlfreiheit der Verbraucher.

Darüber hinaus ist eine Verpflichtung für die Netzbetreiber aufzunehmen, den Endnutzern die zum Anschluss ihrer Endgeräte an das Netz notwendigen Zugangs- und/oder Konfigurationsdaten zur Verfügung zu stellen, um die Nutzung aller vertraglich vereinbarten Dienste zu ermöglichen.

VTKE-Präsentation

Link zum BEREC Workshop on the update of its Net Neutrality Guidelines

6. Juni 2019: VTKE beim BEREC Workshop zur Netzneutralität: “Dose an der Wand” ist Netzabschlusspunkt (PDF-Dokument)

28. Februar 2019: Niederländisches Wirtschaftsministerium blockiert Endgerätefreiheit (Presseinformation)

Das niederländische Wirtschaftsministerium hat als Reaktion auf eine Anfrage aus dem Parlament erklärt, die sogenannte „beleidsregel netwerkaansluitpunt“, die den Netzabschlusspunkt (NAP) näher definiert, nicht in Kraft zu setzen. Der NAP legt fest, wo das Netz der Provider endet und das eigene Netz privater und gewerblicher Kunden beginnt. Mit der jetzigen Entscheidung wird verhindert, dass Internet-User in den Niederlanden selbst bestimmen dürfen, welches Endgerät – Router, Modem – sie für ihren Internetzugang nutzen.

Diese Kehrtwendung ist für den Verbund der Telekommunikations-Endgerätehersteller (VTKE) nicht nachvollziehbar: Die niederländische Regierung hatte die Herstellung der freien Endgerätewahl seit Langem engagiert vorangetrieben und von Dezember 2017 bis Februar 2018 eine öffentliche Konsultation dazu durchgeführt. Das Hauptargument der Netzbetreiber, eine freie Endgerätewahl würde die Funktionsfähigkeit und Sicherheit ihrer Netze negativ beeinflussen, wurde in einem durch die Regierung beauftragten Expertengutachten vom Herbst 2018 widerlegt.

Nach Ansicht des VTKE bestehen also weder inhaltliche noch zeitliche Gründe für eine Verhinderung der Veröffentlichung. Der VTKE sieht in der „Dose an der Wand“ als Netzabschlusspunkt die Grundlage für die Wahlfreiheit der Verbraucher. Diese Definition ist in einigen Ländern bereits Standard und führt dort zu innovativen Produkten und freiem Wettbewerb. Hinzu kommt, dass die freie Endgerätewahl im EU-Recht explizit vorgesehen ist.

Der VTKE setzt sich für die Sicherung der Erfolge der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes generell und die Wiederherstellung der Endgerätefreiheit im Besonderen ein.

Link zum Brief des niederländischen Wirtschaftsministeriums und des Stratix-Reports (in niederländischer Sprache)

28. Februar 2019: Niederländisches Wirtschaftsministerium blockiert Endgerätefreiheit (PDF-Dokument)

16. Januar 2019: VTKE begrüßt europäische Leitlinie zur Identifikation des Netzabschlusspunkts

Das Gremium Europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation (BEREC) wird neue, europäische Leitlinien zur Bestimmung des Netzabschlusspunktes (NAP) erstellen. Der NAP ist der Anschlusspunkt für Telekommunikationsendgeräte. Bereits in 5 Ländern (Deutschland, Italien, Niederlande (geplant), Zypern, Lettland) ist der NAP als „Dose an der Wand“ definiert und somit die freie Wahl der Endgeräte gewährleistet. Auch im Mobilfunkbereich ist die freie Wahl des Endgerätes wie Mobiltelefon oder LTE-Router seit Jahren Normalität und Innovationstreiber.

Der Verbund der Telekommunikations-Endgerätehersteller (VTKE) sieht in der „Dose an der Wand“ als NAP die Grundlage für die Wahlfreiheit der Verbraucher. Diese Definition des Netzabschlusspunkts ist in einigen Ländern bereits Standard und führt dort zu innovativen Produkten und freiem Wettbewerb.

Als umfassende Grundlage veröffentlichte BEREC mit dem Dokument BoR (18) 159 „Location of the Network Termination Point“ einen Überblick über den aktuellen Stand der Definition des NAP in den Ländern der Europäischen Union.

Seit 1. August 2016 können Anwender in Deutschland ihr Endgerät frei wählen. Der Wettbewerb um das beste Endgerät – wie zum Beispiel Router, Telefone, Telefonanlagen, Alarmierungssysteme usw. – hat in den vergangenen Jahren zu einer größeren Vielfalt an innovativen, leistungsfähigen Produkten im Markt geführt. Davon profitieren vor allem die Anwender. Sie können die Produkte einsetzen, die ihrem Bedarf nach Leistung, Funktionalität und Sicherheit am besten entsprechen.

Die Leitlinien zur Bestimmung des NAP werden nun von einer BEREC-Arbeitsgruppe erarbeitet, im Anschluss findet eine öffentlichen Konsultation statt.

Link zum BEREC Report on the location of the network termination point

16. Januar 2019: VTKE begrüßt europäische Leitlinie zur Identifikation des Netzabschlusspunkts (PDF-Dokument)

1. Oktober 2018: Kabelnetz in den Niederlanden für Wettbewerber geöffnet (Presseinformation)

16. August 2018: In Italien fällt der Routerzwang (Presseinformation)

24. April 2018: VTKE antwortet auf die öffentliche Konsultation zur Evaluierung der Anwendung der Verordnung (EU) 2015/2120 sowie der BEREC Net Neutrality Guidelines (BoR (18) 33)

5. Dezember 2017: VTKE gibt Stellungnahme zum Entwurf des Rechtsakts zur Cybersicherheit ab

19. September 2017: EU-Kommission veröffentlicht Entwurf eines “Cybersecurity Package”

25. Juli 2017: VTKE: Erstes Jahr Endgerätefreiheit in Deutschland ist ein Erfolg (Presseinformation)

30. Juni 2017: Deutscher Bundestag beschließt die Abschaffung der Störerhaftung

7. Februar 2017: Landgericht Essen: Routerfreiheit gilt sowohl für Bestands- als auch für Neukunden

14. September 2016: EU-Kommission stellt Entwurf eines “European Electronic Communications Codes” vor

29. Juli 2016: Hersteller begrüßen Wiederherstellung der Endgerätefreiheit zum 1. August (Presseinformation)

8. Dezember 2015: Jetzt freie Routerwahl in Deutschland – Verbraucher haben künftig die Wahl beim Endgerät am Breitbandanschluss (Presseinformation)

25. Februar 2015: Hersteller begrüßen Gesetzesentwurf zur freien Endgerätewahl (Presseinformation)

6. November 2013: 19 Endgerätehersteller fordern Abschaffung des Routerzwangs (Presseinformation)